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31.01.09

Spreadshirt baut Mitarbeiter ab und Gedanken über den Wirtschaftszyklus

Heuer haben wir eine Rezession, eine Finanzkrise gar. Das schafft viele Probleme und ist für viele eine schwierige Zeit. Wirtschaftszyklen sind aber ein natürlicher Prozess und man sollte ihn nicht verteufeln. Makroökonomisch gesehen ein sinnvolles Unterfangen.

Ich erkläre mir die Sache so: Es gibt einen ewigen Kampf zwischen KREATIVITÄT und EFFIZIENZ. Mutation und Selektion. In einer Hochkonjunktur hat die Kreativität (Mutation) die Oberhand. Es werden viele Dinge ausprobiert und unter (mehr oder weniger) kalkuliertem Risiko Produktivmittel eingesetzt. Dabei entstehen viele tolle Dinge. Nicht all diese Dinge sind aber sinnvoll bzw. nachhaltig. Wer viel probiert, der macht auch einmal Fehler. So auch der Wirtschaftsorganismus. Und deswegen hat sich die schlaue Natur als Gegenpol die Rezession (Selektion) ausgedacht. In diesen Zeiten hat die Effizienz die Oberhand. Dinge, die ausprobiert wurden, werden daraufhin überprüft, ob sie auch funktionieren. Nachhaltig bzw. 'self-sustainable', selbsttragend sind. Was nicht funktioniert hat, gerät unter Druck und wird am Ende weggeschnitten (leider manchmal auch das eine oder andere, welches mit ein wenig mehr Zeit funktioniert hätte...).

Phasen der Effizienz und der Kreativität wechseln im Zyklus einander ab. Wenn alles gut geht, dann schraubt sich in diesem Prozess das Gesamtniveau mit der Zeit nach oben (so in den letzten Paar Hundert Jahren geschehen - Produktivität und Wohlstand sind gestiegen. Klar gibt es hierbei natürliche Limits - z.B. die die Ausdehnung der Sonne, in welcher die Erde in schon wenigen Milliarden Jahren verglühen wird... o.k., es gibt vermutlich noch andere Limits, welche kurzfristiger greifen... aber wir wollen nicht zu sehr abschweifen - also zurück zur Effizienz vs. Kreativität und dem nach oben Schrauben des Niveaus...).

Ohne diese Antagonismen würde das nicht funktionieren. Eine Wirtschaft, die nur auf Effizienz beruht, ist eine grässliche Vorstellung. Es gäbe nichts neues, nichts könnte sich entwickeln. Aber auch eine Wirtschaft die nur auf Kreativität beruht, würde nicht funktionieren - ungebremste Kreativität könnte nichts nachhaltiges vorbringen.

Nun ist die Welt ja gerne fraktal aufgebaut (man vergleiche z.B. das Sonnensystem mit dem Bohrschen Atommodell ;), und was die Volkswirtschaft im großen macht, das vollziehen einzelne Akteure wie Unternehmen oder auch Individuen im kleineren nach.

Auch innerhalb in Unternehmen wird in Boomzeiten also mehr ausprobiert und mehr gewagt, in Zeiten rückläufiger Konjunktur das Vorhandene auf den Prüfstand gestellt.

So auch bei spreadshirt, wo wir die schwierigen Entscheidungen treffen mussten, welche einige Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze gekostet haben. Siehe hierzu auch Andreas Milles Beitrag im spreadshirt Blog.

Für den notwenig gewordenen Abbau gibt es aus meiner Vogelperspektive zwei Gründe: der eine ist der oben erwähnte Wirtschaftszyklus und der 'ewge Widerstreit zwischen Effizienz und Kreativität' (Für die Schöngeister unter den Lesern: Siehe auch das Apollinische vs. das Dionysische... schon wieder ein Muster & ein fraktal...)

Der andere Grund liegt in zwei einfachen unternehmerischen Wahrheiten. Eine davon ist, das Kosten mit der Zeit dazu tendieren zu wachsen und sich Ineffizienz ansammelt - das kann sowohl Personal als auch andere Dinge betreffen (Materialkosten, Abfälle, unnötig gewordene oder nicht Zielführende Prozesse, etc.). Die andere einfache Wahrheit ist, dass ein unternehmerisch geführtes Unternehmen stets der Formel folgen sollte, 'Gib nicht mehr aus, als du einnimmst'.

So auch bei spreadshirt. Obwohl wir letztes Jahr mit ~40% ein stattliches Wachstum hatten, lag es hinter den Erwartungen - wir hatten mit 50% oder mehr gerechnet, und auf diese Größe waren auch die Kostenstrukturen ausgelegt (siehe wieder spreadshirt blog). Klar, dass da dann auch Anpassungen nötig werden, zumal wir ein relativ kleines Unternehmen sind, welches nach wie vor investiert (z.B. neuer Firmensitz in Leipzig) und für seine Größe auch sehr International ist. Sprich, es ist derzeit noch kein profitables Unterfangen sondern wird eher in den Regionen einen "Roten Null" geführt. Uns so versuchen wir das Unternehmen generell zu steuern, Balance zwischen Kreativität und Effizienz. Sozusagen so viel Kreativität wie möglich zu schaffen, und dabei finanziell Verantwortungsbewusst bleiben.

Auch wenn das Verfehlen eigener Ziele frustrierend und das Entlassen von Mitarbeitern aus Kostengründen schmerzhaft ist, konnten wir insgesamt aber auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurückblicken. So haben wir mehr als 1 Mio T-shirts verkauft, den Marktplatz für Motive erfolgreich etabliert (Designer können da ernsthaft Geld verdienen :) und kriegen konstant sehr gutes Feedback von unseren Endkunden (ca. 70% empfehlen uns nach der Net-Promoter Definition weiter) - nur um einige Beisiele zu nennen.

Vielen Dank an das gesamte Spreadshirt Team und bin gespannt und freue mich auf 2009!

Posted by Lukasz at 31.01.09 08:17

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Comments

Die Frage die ich mir spontan stelle ist die, woher ihr eure Kritiker bezieht. Bzw. ob ihr euch diesen Luxus überhaupt gönnt ;-)

Posted by: Michael Kostic at 23.02.09 09:31

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